Presse
04.06.09
Hamburger Abendblatt

AIR HAMBURG - Überflieger aus Stellingen


Wie Hamburger Firmen der Krise trotzen: Entgegen dem Branchentrend in der Luftfahrt bauen die beiden Inhaber von AIR HAMBURG die Belegschaft in diesem Jahr aus.

Ob zum Badeurlaub nach Kreta, zum Golftrip nach Malaga oder zur Geschäftsreise nach St. Petersburg - der nagelneue Privatjet vom Typ Cessna Citation XLS+ war in den vergangenen Tagen mit Hamburgern, die sich diese exklusive Form des Reisens leisten können oder wollen, schon fleißig unterwegs. Die neunsitzige Maschine ist die bislang größte, die AIR HAMBURG fliegt. Die Nachfrage nach dem jüngsten von den fünf Jets der Flotte, mit einer Kabine, in der man aufrecht stehen kann und einer Reichweite von knapp 4000 Kilometern, habe die Erwartungen übertroffen, sagt Floris Helmers, einer der beiden Inhaber des Hamburger Unternehmens mit 47 Beschäftigten.

Entgegen dem Branchentrend in der Luftfahrtbranche baut AIR HAMBURG die Belegschaft aus: Nachdem seit Januar bereits fünf neue Mitarbeiter eingestellt wurden, sollen bis Jahresende acht bis zehn weitere hinzukommen. Gesucht werden Piloten, Einsatzplaner und Wartungstechniker, sagt Helmers dem Abendblatt. "Wir bieten Fliegerei von A bis Z", umschreibt der Chef, der auch selbst im Cockpit sitzt, das Konzept der im Jahr 2001 gegründeten Firma mit Sitz in Stellingen: "Vom Rundflug über die Flugschule und den Inseltrip nach Sylt bis zur Geschäftsreise mit dem Jet nach Marrakesch. Dieses Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen und es hat uns zuletzt vor Einbrüchen bewahrt." Neben den in Fuhlsbüttel stationierten Düsenmaschinen betreibt AIR HAMBURG von Uetersen aus 22 ein- und zweimotorige Propellerflugzeuge. "Bei den Rundflügen und den Flügen auf die Nordseeinseln sind die Passagierzahlen in den vergangenen Monaten sogar gestiegen, was vielleicht auch am guten Wetter lag", so Helmers. In der Pilotenausbildung sei das Geschäft konstant.

Im Geschäftsflugzweig macht sich der Wirtschaftsabschwung allerdings bemerkbar: "Manche Konzerne zum Beispiel aus der Autobranche, die früher mehrmals in der Woche bei uns gebucht haben, lassen ihre Mitarbeiter jetzt nur noch im Businessjet fliegen, wenn es nicht anders geht", berichtet Helmers. Dennoch habe man zuletzt etliche Neukunden gewonnen: "Es gibt Hamburger Kaufleute, die gerade in der Krise mehr fliegen müssen - weil man sich mehr rühren muss, um Kunden zu halten, aber auch, weil man die Angel nun weiter rauswerfen muss, um Geschäfte zu machen." Hilfreich sei zudem, dass große Fluglinien derzeit ihr Angebot eher einschränken. Die Konkurrenz am Standort Hamburg ist überschaubar: Die Firma Jetkontor betreibt einen eigenen Cessna-Düsenflieger, andere greifen auf gechartertes Gerät zurück - so wie auch AIR HAMBURG, wenn deutlich größere Maschinen gebraucht werden. Während Helmers früher die für Berufspiloten maximal zulässige Zahl von 900 Flugstunden pro Jahr absolvierte, sind es heute nur noch etwa 300, weil er sich nun mehr um das gewachsene Unternehmen und seine Kunden kümmern muss. Aus dem gleichen Grund teilt er sich meist für die kürzeren Inseltrips ein oder bildet Flugschüler aus. Dass er nun seltener in der Luft ist, trägt der leidenschaftliche Pilot mit Fassung: "Da macht der einzelne Flug noch mehr Spaß."