Presse
20.04.10
Welt Online

Behörden heben Nachtflugverbot auf

Ausnahmeregelung gilt für zwei Nächte nach Ende der Sperrung
- Hohe finanzielle Einbußen für Flughafen und Hamburger Wirtschaft

Das Flugverbot wegen der Vulkanaschewolke über Europa hat für Teile der Hamburger Wirtschaft gravierend negative Auswirkungen. Mit den Fluglinien ist an erster Stelle der Flughafen selbst betroffen. Airport-Chef Michael Eggenschwiler sagte der WELT: "Jeder Tag ohne Flugbetrieb bedeutet für den Flughafen Hamburg einen Umsatzausfall von 600 000 Euro."

Der gestrige Tag musste noch komplett als Ausfall verbucht werden, aber laut Ankündigung könnte am Dienstagmorgen, acht Uhr, die Sperrung für Hamburg aufgehoben werden. Es werde laut Flughafen-Sprecherin aber dauern, bis der Betrieb wieder wie in Normalzeiten laufe. Hilfestellung gab es durch die Wirtschafts- und die Stadtentwicklungsbehörde, die für die ersten beiden Nächte nach Ende der Sperrung das Nachtflugverbot komplett aufhoben. "Im Interesse der vielen im Ausland festsitzenden Passagiere, die seit Tagen auf ihre Rückflüge nach und über Hamburg warten, setzen wir das Nachtflugverbot zunächst für zwei Nächte aus. Ob weitere Aufhebungen nötig werden, entscheiden wir nach Lage der Dinge. Wir bitten die betroffenen Anwohner des Flughafens im Interesse der seit Tagen festsitzenden Fluggäste um ihr Verständnis", sagte Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL). Und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) ergänzte: "Im Interesse auch von Wirtschaft und Tourismus ist die teilweise Lockerung der Nachtflugbeschränkung unerlässlich."

Die Geschäfte und Restaurants auf dem Airport werden dann eine lange Leidenszeit hinter sich haben - allen voran der Flughafenhändler Heinemann mit seinen Duty-free- und Travel-Value-Shops. Geschäftsführer Gunnar Heinemann sagte der WELT: "Das trifft uns hart. Wenn keiner fliegt, können wir nichts verkaufen." Zahlen nennt Heinemann nicht. Doch er verrät: "Heinemann hat andere Geschäftsfelder wie die Schifffahrt und Grenzshops. Aber die Luftfahrt ist der größte und wichtigste Teil." Er hoffe deshalb "auf die Rückkehr der politischen Kompetenz im Bundesverkehrsministerium".

Nicht ganz so schlimm ergeht es dem Hamburger Buch- und Pressehändler Valora Retail. Er hat fünf seiner sechs Shops ("k presse + buch") auf dem Flughafen dichtgemacht. Aber dafür verspürt Valora etwas höhere Umsätze in seinen Bahnhofsbuchhandlungen, wie Geschäftsführer Mathias Gehle sagte.

Schwer getroffen hat es dagegen die Taxifahrer. Annemarie Taraske, Geschäftsführender Vorstand des Landesverbandes Hamburger Taxi-Unternehmer: "Die Lage ist katastrophal und selbst mit bisherigen Ereignissen wie dem 11. September nicht vergleichbar." Wie groß der Umsatzrückgang ist, könne sie aber nicht sagen. Das kann Dirk Schütte, der Chef von Hansa-Taxi: "Wir haben seit vergangener Woche einen Umsatzrückgang von 35 bis 40 Prozent. Die Lage ist dramatisch."

Weniger unter Druck sind Firmen wie Interweichert. Sie beliefert den Großmarkt, Einzelhändler und Supermärkte. Massenware wie Bananen und Apfelsinen ist von den Ausfällen nicht betroffen, weil sie per Schiff nach Deutschland gebracht wird. "Aber bei den exotischen Früchten, die mit dem Flugzeug transportiert werden, gehen unsere Vorräte zur Neige", sagt Geschäftsführer Hans-Peter Wichert.

Doch das Verbot bringt auch manchen Firmen ordentlichen Profit. So galt es nicht für alle Maschinen. Bei AIR HAMBURG etwa blieben die Business-Jets am Boden. Aber die vier Propellermaschinen der Firma durften starten. Air-Hamburg-Marketingchef Mike Ulka sagte, zusätzliche Buchungen wegen des allgemeinen Flugverbots seien hereingekommen. Die Flugstunde in einer Cessna 172 kostet 300 Euro netto.

Auch die Mitfahrzentrale Hamburg verzeichnet eine bisher nicht gekannte Nachfrage. Nach Informationen der WELT stiegen beispielsweise die Angebote für die Strecke Hamburg-Köln um 36 Prozent.

Auch im öffentlichen Leben gerät so einiges durcheinander. So können aufgrund des Flugverbots einige Autoren der Vattenfall Lesetage nicht anreisen. Auch etliche Schulen spürten die Folgen des Flugverbots - so etwa die Internationale Schule in Groß Flottbek. Dort gingen gestern die Osterferien zu Ende. Doch der Unterricht musste ohne einige Lehrer und Schüler beginnen. Auch Schulleiter Vladimir Kuskovski konnte nicht rechtzeitig zurückkehren. Er sitzt in den USA fest.