Presse
20.04.10
Hamburger Abendblatt

Flugverbot: Hunderte Reisende hoffen auf Heimkehr

Es wartet sich nirgends schöner als auf Mauritius!

Anwohner aus Quickborn und Hasloh, die gewöhnlich unter dem Lärm der startenden Jets zu leiden haben, genießen die unerwartete Ruhe.

Kreis Pinneberg. In Schulen und Betrieben im Kreis Pinneberg blieben gestern nach Ende der Osterferien viele Plätze leer. Aufgrund des fast europaweit eingestellten Flugverkehrs infolge des Vulkanausbruchs auf Island waren Auslandsurlauber nicht rechtzeitig zurückgekehrt.

Eine Propellermaschine der AIR HAMBURG im Anflug auf den Flugplatz Uetersen. Die Nachfrage nach Charterflügen mit den kleinen Flugzeugen ist regelrecht explodiert. Foto: Kuno Klein

Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Am kleinen Uetersener Flugplatz ist der Betrieb nicht beeinträchtigt. "Mehr Starts und Landungen haben wir nicht", hieß es aus dem Tower. AIR HAMBURG, einer der größten Nutzer in Uetersen, verzeichnet zwar deutlich mehr Anfragen. Allerdings lässt das Unternehmen seine sechs größeren turbinengetriebenen Privatjets, die in Hamburg stationiert sind, am Boden. 15 der 19 kolbengetriebenen Maschinen werden für den Ausbildungsbetrieb benötigt. "Uns stehen noch vier Cessnas für den freien Charter zur Verfügung, die sind jetzt pausenlos im Einsatz", so Unternehmenssprecher Mike Ulka.

"Es wartet sich nirgends schöner als auf Mauritius!" Die gute Laune von Ute Schumann aus Wedel ist durchs Telefon zu spüren. Gemeinsam mit ihrer Tochter Jule sitzt sie auf dem Traum-Eiland im Indischen Ozean fest. Seit Jahren hatten die beiden auf den Trip gespart, der nun durch die glückliche Fügung des Vulkanausbruches um (bislang) drei Tage verlängert wurde - und zwar gratis. "Die Reiseagentur übernimmt die Kosten - wir genießen das!" so Ute Schumann. Weniger fröhlich sind Ina und Nils Baumgarten sowie Tochter Lana aus Rellingen. Sie sollten Donnerstag in Miami den Flieger Richtung Deutschland besteigen. Eine Nacht zahlte die Lufthansa die Unterbringung der Familie. Seit Freitag müssen die Rellinger nun die Kosten selbst tragen.1000 bis 1500 Dollar kommen für Kost, Logis und Mietwagen zum bisherigen Reisepreis dazu. "Dieses Jahr fahren wir wohl nicht mehr in Urlaub", so Ina Baumgarten. Jetzt konnte die Familie nach langem Hin und Her auf einen Flug umbuchen, der heute definitiv in Richtung München abheben soll. So lange wird Tochter Lana noch in ihrer siebten Klasse am Wolfgang-Borchert-Gymnasium fehlen.

Etwa 50 Schüler fehlten gestern an der Elsa-Brandström-Schule in Elmshorn. Auch fünf Pädagogen befanden sich noch im Ausland. Sie sollen aber laut Schulleiter Peter Rosteck schnellstmöglich zurückkehren. Nach 32 Stunden kamen mehrere Schüler der Elmshorner KGSE in der Nacht zu Montag todmüde aus Lappland zurück. Die Gruppe, zu der auch ein Lehrer gehörte, war im Rahmen des Internationalen Jugendprogramms nach Finnland gereist - und stand ohne Rückflug da. Zudem waren alle Fähren ausgebucht. Durch Zufall konnte ein Bus für die Rückreise geordert werden.

"Man merkt jetzt, auf was für einen Lebenswert wir verzichten müssen", so Eberhard von Lany, Chef der Interessengemeinschaft Flugschneise Nord. Der Quickborner genießt, dass seit Donnerstag keine Flieger über sein Haus donnern. "So eine Pause hatten wir zuletzt 2004, als die nördliche Start- und Landebahn saniert wurde."