Presse
23.03.10
Pinneberger Zeitung

Fuer die Wulfsburg bei Tangstedt gehen die Archäologen in die Luft

Fuer die Wulfsburg bei Tangstedt gehen die Archäologen in die Luft

Forschungsflug Fotos Geben Aufschluss über Verlauf der Wallanlagen.

 

Seit 2007 arbeiten Peter Pries und Hartmut Boller daran, Reste einer mittelalterlichen Kleinsiedlung freizulegen.

Wer eine Burg ausgraben will, muss auch mal in die Luft gehen. Was zunächst total widersprüchlich klingt, ist für Peter Pries aus Rellingen und Hartmut Boller aus Tangstedt der Höhepunkt ihrer fast dreijährigen Bemühungen, im Tangstedter Forst unweit der Wulfsmühle die Reste einer mittelalterlichen Kleinsiedlung freizulegen.

Aus der Vogelperspektive lässt sich nicht nur die genaue Lage der Wulfsburg, wie der Volksmund sagt, beziehungsweise des „Grabungsareals Burghorst“ – so die fachliche Bezeichnung – bestimmen. Auch Erkenntnisse über den Verlauf des Walls und die Strukturen im Inneren erhoffen sich die Hobby-Archäologen. Pries hat sein Archäologiestudium im Rentenalter begonnen und nun fast abgeschlossen. Boller ist als pensionierter Lebensmittelchemiker und Freizeit-Historiker der Vergangenheit in der Umgebung seiner Heimat auf der Spur. Voller Begeisterung klettern sie auf dem Flugplatz Uetersen in die viersitzige Cessna 172 von AIR HAMBURG. Das Luftverkehrsunternehmen mit der Heimatbasis auf dem Heister Flugfeld spendierte den Rundflug in die Vergangenheit. Air-Hamburg-Chef Floris Helmers, dessen Gesellschaft sonst im Inselflugdienst, im Privatjet- Bereich und als Flugschule tätig ist, hatte spontan und kostenlos eine Maschine zur Verfügung gestellt, um die chronisch klammen Hobby-Forscher zu unterstützen. Die Pinneberger Zeitung sorgte für die Fotos.

Vor dem Start zeigen Boller und Pries auf einer Generalkarte, wohin die Luftreise gehen soll. Berufspilot Jan Hackethal hat das Ziel schnell im Blick. „Am besten fliegen wir die Pinnau entlang.“ Wenige Minuten später ist der Tangstedter Forst erreicht. Trotz tief hängender Wolken und eingeschränkter Sicht ist das kleine Waldstück aus 330 Meter Höhe gut zu erkennen. Was aus der Luft wie ein illegaler Campingplatz aussieht, sind die mit Planen abgedeckten Grabungsstellen. Flugzeugführer Hackethal kreist immer wieder über dem Areal, kippt die Maschine auf die Seite, um einen besseren Blickwinkel zu verschaffen, und kehrt nach einer Ausbeute von mehr als 70 Fotos zum Flugplatz zurück. Das Ergebnis des „Aus-Flugs“ ist für die beiden Archäologen überwältigend. Die Geschichte der bisherigen Burghorst-Forschung muss umgeschrieben werden. „Schon aus der Luft haben wir erkannt, dass der ovale Burgwall anders verläuft, als bisher auf alten Karten dargestellt“, sagt Pries. Von einer detaillierten Foto-Auswertung erwarten die Forscher weitere Erkenntnisse über die Lage sogenannter Steinpackungen im Innenhof der Burg,

die auf Besiedelungsspuren hinweisen. Die bisherigen Funde wie 50 Eisennägel und verkohlte Holzteile, die radiologisch untersucht wurden, weisen darauf hin, dass die Kleinsiedlung mit Wall und Gräben aus dem 11. Jahrhundert stammt. Erste Bewohner waren wohl die Schauenburger Grafen.

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